Valletta, die kleinste Hauptstadt Europas

Dezember 6, 2016

Nach all der Lernerei und dem Prüfungsstress darf ich mich nun endlich Ärztin nennen. Das gibt natürlich mehrfachen Anlass zu feiern, zu entspannen und das Leben zu genießen. Was da so zuzählt? Urlaub natürlich! Ich bin in den letzten Monaten vor Fernweh quasi eingegangen und es war endlich an der Zeit, wieder in den Flieger zu steigen. Mit zwei gleichgesinnten Freundinnen, die ihr Examen ebenfalls in der Tasche haben, führte mich der Weg (bzw. Flieger) auf den kleinen Inselstaat Malta irgendwo zwischen Italien und Tunesien. Malta ist so voller Geschichte und unterschiedlichen kulturellen Einflüssen – jeder Quadratzentimeter wurde hier quasi schon mal umgebuddelt. Total faszinierend, oder etwa nicht?!

Nachdem wir am Anreisetag entspannten, einkauften und den wohlverdienten Schlaf der letzten Wochen nachholten – was sich angesichts der lauten Partymusik um uns herum als etwas schwierig erwies – ging es am zweiten Tag in Maltas Hauptstadt Valletta.

 

Die Geschichte Vallettas

Valletta ist eine kompakte und dicht bevölkerte Stadt, die für sich sogar den Titel der flächenmäßig kleinsten Hauptstadt eines EU-Staates beanspruchen kann. Doch trotz ihrer (kleinen) Größe ist die Stadt reich an Kultur und Geschichte. Das ist auch der Grund, warum Valletta 1980 als Gesamtmonument in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen wurde und sich darüber hinaus 2018 Kulturhaupstadt Europas nennen darf.

Malta ist durch eine Jahrtausend alte Geschichte und eine Vielzahl verschiedener Nationalitäten geprägt, denn um die strategisch gelegene Insel gab es im Laufe der Zeit viele Auseinandersetzungen und Kriege. Trotz der weitreichenden Vergangenheit Maltas ist Valletta eine noch recht junge Hauptstadt, die erst 1566 durch den Johanniterorden gegründet wurde.

Nachdem die Ordensritter der Johanniter aus Akko flüchten mussten und ohne Hauptsitz umherirrten, erhielten sie 1530 durch Kaiser Karl V. die Insel Malta und die kleine Schwesterinsel Gozo als Lehen und Zufluchtsort. Wenige Jahre später, 1565, mussten sie sich jedoch gleich gegen eine großangelegte Invasion der Osmanen behaupten. Sie gewannen trotz ihrer Unterlegenheit. Dabei spielte unter anderem das Fort St. Elmo, dass die Ritter auf der Halbinsel Mount Sceberras zum Schutz des Hafens der alten Hauptstadt Birgu errichtet hatten, eine wichtige Rolle.

Nach dem Sieg über die Osmanen wurde der Plan gefasst, zum Schutz vor weiteren Angriffen eine neue befestigte Hauptstadt anzulegen. Man errichtete die Hauptstadt auf der felsigen Halbinsel Mount Sceberras, umringt von massiven Bastionen und Forts – darunter auch das nach dem Krieg zerstörte und wieder errichtete Fort St. Elmo. Den Grundstein für die Errichtung der neuen Hauptstadt legte der Großmeister des Ordens, Jean de la Valette, 1566 und trug dabei wesentlich zur Namensgebung der Hauptstadt bei: Valletta. Finanzspritzen für die Errichtung der neuen Hauptstadt gab es durch die katholischen Herrscher von Frankreich und Spanien sowie den Papst, die dadurch dem Johanniterorden nach dessen Sieg über die Muslime ihre Wohlwollen ausdrücken wollten. Zudem entsandte der Papst seinen Architekten Francisco Laparelli da Cortona, der innerhalb weniger Wochen die Hauptstadt entsprechend der ritterlichen Bedürfnisse plante.

Hierzu gehörte das gitterförmige Straßennetz, das Valletta streng untergliederte. Aber auch die flachen Treppen, die den Rittern trotz der schweren Rüstung ein schnelles Vorankommen ermöglichten sowie die guten Befestigungsanlagen und tiefen Stadgräben machten Valletta zu einer sehr gut gesicherten Stadt. Gebaut wurde aus dem für Malta typischen Baumaterial – dem hellen Kalkstein.  Typisch sind auch die maltesischen Holzbalkone, die als Statussymbol für Wohlstand galten. Immerhin war Holz auf der kargen Insel Malta ein seltenes und teures Gut.

Im Laufe der weiteren Jahre prägten auch andere Nationen das Aussehen der Stadt. Besonders hervorzuheben ist der britische Einfluss in der Kolonialzeit. Noch heute stehen rote Telefonzellen mit der britischen Krone in den Gassen.

 

5 Orte, die du in Valletta besuchen solltest

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 1. UPPER BARRAKA GARDEN & SALUTING BATTERY

Die Gartenanlage wurde im Jahr 1661 als privater Garten der Johanniterritter angelegt, 1824 wurde sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Sie lädt zum Entspannen und Verweilen ein und gehört zu einem der besten Aussichtspunkten der Stadt. Man hat eine sagenhafte Aussicht über die „Drei Städte“ Vittorosia, Senglea und Cospicua und den Grand Harbour.  Zudem bietet die Gartenanlage den Zugang zu bzw. die Sicht auf die Salutkanonen „Saluting Battery“.  Sie sind wahrscheinlich die ältesten noch genutzten Salutkanonen der Welt – fast 500 Jahre lang haben sie den Hafen vor Schiffsangriffen geschützt. Von hier aus wurden Salutschüsse zu den verschiedensten Anlässen, Jubiläen und Feiertagen abgegeben. Aber auch noch heute gibt es Salutschüsse –  um 12:00 und 16:00 Uhr.

Saluting Battery und die „Three Cities“

Öffnungszeiten:

  • Montag bis Sonntag von 10:00 bis 17:00 Uhr
  • Geschlossen: Silvester, Neujahr, Karfreitag, Ostern, Maria Himmelfahrt 15. August, Heiligabend und Weihnachten.

Eintrittspreise:

  • Erwachsene: €3 inkl. geführter Tour in Englisch um 11:00, 12:10 und 15:00 Uhr (inkl. Audioguide)
  • Kinder unter 16 Jahren : €1 (in Begleitung eines Erwachsenen)

 

2. ST. JOHN’S CO-CATHEDRAL

Die St. John’s Kahedrale wurde im 16. Jahrhundert von Gerolamo Cassar erbaut. Sie ist Johannes dem Täufer, dem Schutzpatron des Johanniterordens, gewidmet. Die St. Johns Ko-Kathedral wurde durch Papst Pius VII. im Jahre 1816 neben dem Bischofssitz, der St. Paul’s Kathedrale in Mdina, zum Zweitsitz des Bischofs ernannt.

Ich stehe Kirchenbesichtigungen etwas voreingenommen gegenüber. Im Grunde sehen die meisten Kirchen doch sehr ähnlich aus – ganz nach dem Motto „Hat man eine gesehen, hat man sie alle gesehen“. Bei der St. John’s Kathedrale war ich jedoch sehr positiv überrascht. Von außen wirkt die aus Sandkalkstein erbaute Kirche schlicht. Doch tritt man ein, wird man überwältigt vom goldenen Inneren der Kirche, das im Barockstil gehalten ist.

St. Johns Ko-Kathedrale

St. Johns Ko-Kathedrale

 Besonders faszinierend ist das Deckengemälde, auf dem 18 verschiedene Szenen aus dem Leben von Johannes dem Täufer abgebildet sind. Über dem Altar befindet sich das Meisterwerk des Malers Michelangelo da Caravaggio: Die Enthauptung von Johannes dem Täufer. Anstelle von Seitenschiffen finden sich an den Seiten acht pompöse Kapellen, die jeweils einer „Zunge“ des Johanniterordens zugeordnet und ihren Schutzheiligen geweiht sind. Ebenfalls faszinieren ist die Sammlung der 375 Marmorgrabplatten in der Mitte des Hauptschiffs, in dem viele bedeutende Ritter begraben wurden, und die mit den jeweiligen Wappen der Ritter, Skeletten und Totenschädeln sowie Siegesgeschichten aus ihren Schlachten verziert sind.

Öffnungszeiten:

  • Montag bis Freitag von 09:30 bis 16:30 Uhr, Samstag von 09:30 bis 12:30 Uhr

 

3.  GRANDMASTER’S PALACE (il palazz)

Der Großmeisterpalast wurde im 16. Jahrhundert errichtet und diente im Laufe der Jahrhunderte den unterschiedlichen Machthabern des Inselarchipels als Amtssitz. Der rechteckige Großmeisterpalast  ist mit einer Länge von 97 Metern und Breite von 83 Metern das flächenmäßig größte Gebäude Vallettas. Es wurde wie die meisten Gebäude aus Kalkstein errichtet und wirkt von außen sehr schlicht.

Ein Besuch des Palastes bzw. der „State Rooms“ ist gegen eine Eintrittsgebühr möglich. Wenn im Palast jedoch offizielle Staatsempfänge stattfinden, wird das Gebäude für Besucher gesperrt – so war es in unserem Fall, weswegen wir den Palast nicht besichtigten. Zudem kann man die „Palace Armory“ besichtigen, die Waffenkammer des Großmeister Palastes. Im Jahre 1860 wurde diese durch die britischen Kolonialherren zum ersten öffentlichen Museum Maltas ernannt. Die Waffensammlung ist sehr umfangreich und enthält über 5.700 Ausstellungsstücke aus dem 16. bis 18. Jahrhundert.

Wer Eintrittsgelder sparen will, kann sich auch nur mit einem kostenlosen Besuch der zwei schönen Innenhöfe des Palastes begnügen: dem Neptune’s Courtyard und dem Prince-Alfred-Courtyard.

Öffnungszeiten:

  • Montag bis Freitag von 10:00 bis 16:30 Uhr, Samstag und Sonntag zwischen 09:00 und 16:30 Uhr
  • Geschlossen: Neujahr, Heiligabend, 1. Weihnachtstag, Silvester

Eintrittspreise (The State Rooms und Palace Armory):

  • Erwachsene (18 – 59 Jahre): €8.00
  • Jugendliche (12-17 Jahre), Senioren (ab 20 Jahren) und Studenten: 6€
  • Kinder (6-11 Jahre): 4€

 

4. LOWER BARRAKA GARDEN & SIEGE BELL MEMORIAL

Die Parkanlage wurde von den französischen Truppen am Ende des 18. Jahrhunderts angelegt. Imposant sticht vor allem das zentrale Denkmal in der Form eines klassizistischen Tempels hervor, das im Jahr 1810 in Gedenken an Alexander Ball, dem ersten Gouverneur von Malta, errichtet wurde.

Lower Barraka Gardens

Gegenüber des Lower Barraka Garden findet sich das Siege Bell Memorial, das 1992 als Mahnmal des Zweiten Weltkrieg auf einer ehemaligen Artilleriestellung errichtet wurde. Teil dieses Denkmals ist eine imposante gusseiserne Glocke, die mittags sehr geräuschvoll läutet.

Das Siege Bell Memorial

Blick vom Siege Bell Memorial auf die Lower Barraka Gardens

Sowohl von der Gartenanlage als auch von der Siege Bell hat man eine wunderschöne Aussicht über „Die Drei Städte“ und den Grand Harbour.

Blick auf das Fort Ricasoli

 

5. FORT ST. ELMO & THE MALTA EXPERIENCE

Das Fort St. Elmo spielte beim Sieg der Ordensritter über die Osmanen 1565 eine wichtige Rolle. Damals war die Halbinsel Mount Sceberras nur ein steiniges Kap mit dem Fort an der Spitze. Während der Belagerung wurde es zerstört, nach dem Krieg wurde es jedoch wieder aufgebaut und weiter verstärkt. Danach wurde über die Jahrhunderte hinweg genutzt. Heute beherbergt es das National War Museum.

 

Öffnungszeiten:

  • Sommer (1. April – 30. September): 09:00 – 18:00 Uhr
  • Winter (1. Oktober – 31. März): 09:00 – 17:00 Uhr
  • Geschlossen: Weihnachten, Silvester, Neujahr

Eintrittspreise:

  • Erwachsene (18 – 59 Jahre): 10 €
  • Jungendliche (12 -17 Jahre), Senioren (ab 60 Jahren) und Studenten: 7,50 €
  • Kinder (6 -11 Jahre): 5,50€

 

Direkt nebenan ist das „Malta Experience“, eine audiovisuelle Vorführung über die 7.000 Jahre alte Siedlungsgeschichte Maltas. Die unterhaltsamen Erläuterungen zur Vorführung werden in rund 15 Sprachen, darunter Deutsch und Englisch, angeboten und können per Kopfhörer verfolgt werden.

 

Öffnungszeiten:

  • Sommer: Montag – Freitag von 11:00 bis 16:00 Uhr bzw. am Wochenende von 11:00 bis 14:00 Uhr immer zur vollen Stunde
  • Winter: Montag – Freitag von 11:00 bis 16:00 Uhr bzw. samstags von 11:00 bis 14:00 Uhr immer zur vollen Stunde mit Ausnahme der Vorstellung um 14:00 Uhr
  • Geschlossen: Weihnachten und Neujahr

Eintrittspreise:

  • Erwachsene: 15€
  • Studenten: 11,50€
  • Kinder (5-12 Jahre): 6€

 

Der beste Ausblick auf Valletta

Den schönsten Ausblick auf Valletta, insbesondere am Abend, hat man vom Fort Tigné in Sliema aus. Dieses wurde vom Johanniterorden im 18. Jahrhundert zum Schutz des Marsamxett Hafens in Sliema erbaut und ist eines der ältesten polygonalen Forts der Welt. Sliema ist eine der größten Städte Maltas und aufgrund des Restaurant- und Shoppingangebotes sehr beliebt bei Touristen. Eine Fähre verbindet Valletta und den Marsamxett Hafen in Sliema mehrmals in der Stunde, auch im Winter.

Mein Tipp: Nach einer ausgiebigen Sightseeingtour durch Valletta könnt ihr entspannt und günstig mit der Fähre übersetzen und den Sonnuntergang genießen. Eine einfache Fahrt kostet für Erwachsene nur 1,50€. Weitere Infos zum Fahrplan und den Preisen findet ihr hier. Von hier aus müsst ihr noch etwas die Küstenpromenade entlang laufen bis ihr zu der weißen Aussichtsplattform Tigné Point kommt.

Hier könnt ihr weiter unten entlang der zum Fort laufen. Über einige Treppenstufen könnt ihr hinunter zu den steinigen Klippen steigen. Der Ausblick von hier ist atemberaubend!

Valletta

Blick auf Valletta

Fort Manoel

Sonnenuntergang über dem Fort Manoel

Aber Vorsicht mit euren Sachen. Ich habe mit meiner Schusseligkeit und Grobmotorik natürlich gleich den Objektivdeckel meiner Kamera im Meer versenkt. In welchen Gewässern er heute voll schon herumtreibt?

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