3 Tage durch den Dschungel von Nordthailand

Dezember 18, 2015

Zu den Dingen, die man in der Umgebung Chiang Mais erleben sollte, gehört Trekking. Die ausladenden Berge und der dichte Dschungel laden dazu ein, die Stadt hinter sich zu lassen und Zeit in der Natur zu verbringen. Es gibt verschiedene Touren, die angeboten werden; in der Regel für ein, zwei oder drei Tage. Wir wählten die dreitägige Tour – ganz nach dem Motto „Life begins in the end of your comfort zone.“ Solch eine Tour, fernab von gemütlichen Guesthouses, Cafés und Massagen, erzählt dir viel über dich selbst. Es mag extremere Dinge geben als mit einem Guide durch den Wald über Stock und Stein zu tapern. Alles ist organisiert und fast nichts wird dem Zufall überlassen. Doch für uns „Girlies“ war das schon eine kleine Herausforderung. Aber Herausforderungen sind gut, denn an ihnen lernt und reift man. Voll guter Dinge und Hoffnungen wagten wir uns deshalb in den Dschungel: Drei Mädels aus Köln, ein verrückter trinkender Führer und der Mangel an Zivilisation machten aus einem unglaublichen einen unvergesslichen Trip.

 

Trekking-Packliste

Hätten wir etwas mehr darüber nachgedacht, hätten wir vielleicht nicht so dumm dagestanden, als uns der Trekkingführer wegen unserem großen Rucksack auslachte. Es ist nicht so, dass wir nicht mehrfach unsere Guesthouse-Besitzerin danach gefragt hätten, ob wir nur einen kleinen Rucksack mitnehmen dürfen oder auch ein großer okay wäre. Entweder war die Sache für sie so glasklar, dass sie unsere Frage nicht verstanden hat. Oder vielleicht lag es auch am Englisch. Fünf Minuten vor Abfahrt war jedoch klar: Unser Rucksack ist zu groß!

Dabei hatten wir schon unsere zwei 60l-Rucksäcke auf einen reduziert. Den Rest wollten wir im Guesthouse lassen. Nun galt es aber, innerhalb kürzester Zeit, Zeug für drei Tag auf unsere Daypacks aufzuteilen. Leichter gesagt als getan. Zumal die Daypacks durch Wasser, Kamera & Co. eigentlich schon prall gefüllt waren.

Am Ende schafften wir es doch irgendwie, unsere Sachen auf eine beachtliche Liste zu reduzieren (und einen Teil davon hatten wir schon an). Das war der erste Moment unserer Trekking-Tour, bei dem ich einen Anflug von Stolz empfand. Hier unsere ultimative Trekking-Packliste:

  • 1 kurze und 1 lange dünne Hose
  • 2 T-Shirts und 1 Top
  • 1 Fleecejacke
  • Flip Flops, Turnschuhe
  • 3 Unterhosen
  • 1 BH und 1 Bikini
  • Travel-Sheet, Travel-Handtuch
  • Zahnbürste und Zahnpasta, Seife, Haarbürste, Moskitospray, Oropax
  • Taschenlampe
  • Kamera, Handy, Ladekabel und Powerbank

 

1.Tag: Sport ist Mord

Unsere Trekking-Tour startete gegen Vormittag. Zunächst fuhren wir in einem Songthaew zu einem Markt, an dem wir noch Wasser und Klopapier kaufen konnten. Beides schaffte es dann nicht mehr in unseren Rucksack, sondern baumelte außen dran.

Nach einer weiteren Fahrt hielten wir zum Lunch. Dann stellte sich endlich unser Guide vor: Chai, der aufgrund seines hohen Bier-Konsums auch gerne Mr. Chang (vom Chang Beer) genannt wurde. Er schrieb uns mit Edding unsere Namen auf Thai auf unsere Arme. Leichter gesagt als getan. Vor allem bei Friederike (Fritzi) – einem Namen mit dem die meisten Thais Probleme haben. Was wir am Ende wirklich auf unseren Armen geschrieben hatten, werden wir wohl nie erfahren. Natürlich landete das meiste des Eddings später auf meinem weißen T-Shirt.

Aber dann ging es los. Drei Stunden lang nur bergauf. Es waren Höllenqualen. Ich wusste gar nicht, wo ich überall Muskeln spüren konnte, aber jetzt bin ich schlauer.

Die erste Nacht verbrachten wir in einem Dorf des Bergvolkes Luhu. Die Unterkunft war besser als erwartet: Es gabe eine riesige Bambushütte, auf deren einen Seite wohnten die Besitzer, auf der anderen war ein großer Raum mit Matratzen und Moskitonetzen für uns. Und es gab Toiletten- und Duschhäuschen. Natürlich gab es keinen Strom, sondern nur Kerzen.

Die Aussichten von unserer Hütte war wirklich atemberaubend! Da hatte sich der Aufstieg doch gelohnt. Abends saßen wir gemütlich auf der Babusplattform, aßen Curry, tranken Bier und spielten Karten. Währenddessen bekamen wir auch Besuch von einem kleinen, süßen Käfer, der munter stundenlang zwischen uns, dem Bier und den Kerzen umherlief – bis Mr. Chang ihn entdeckte und panisch verbannte. Schließlich würde der Urin dieses Käfers einen blind machen können. Hä?

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Neben dem Plattmachen von Käfern hatte Mr. Chang als unsere persönliche One-Man-Show auch andere Qualitäten: Leidenschaftlich spielte er uns auf seiner Gitarre vor, schmetterte Hits wie „Marry Me“ von Bruno Mars aus geschwollener Brust und versuchte uns dazu zu animieren, es ihm gleich zu tun. Doch es blieb dabei, er sang allein und öffnete sich ein Bier nach dem anderen. Denn es war ja, wie er betonte: „Happy, happy holiday!“

Am nächsten Morgen spürte ich dann meinen Muskelkater. Fast gar kein Problem, schließlich würden wir fast den ganzen Tag wieder runter gehen. Da werden ja andere Muskelgruppen beansprucht. Denkste.

 

2. Tag: Saubere Sanitäranlagen

Am zweiten Tag trennten wir uns von denen, die nur eine zweitägige Tour machten und stießen zu einer anderen Gruppe (drei Engländer und ein Mr. Sweden) und unserem neuen Guide Mr. Whisky dazu. Mr. Chang ließ uns aber nicht im Stich und gesellte sich gegen Abend des zweiten Tages wieder zu uns.

Den ganzen Tag liefen wir wieder abwärts und hielten an verschiedenen Wasserfällen, die uns Abkühlung verschafften. Leid tat uns irgendwie auch Mr. Sweden, der mit seinem 70l-Rucksack wandern gegangen war. Klar, er ist in der schwedischen Armee und macht so einen Kram öfter. Glücklich sah er trotzdem nicht aus. Wie gut, dass wir vorher noch schnell umgepackt hatten …

Zur Mittagszeit schnitzte uns Mr. Whisky Teller und Stäbchen aus Bambus und dann gab es eine schöne Mahlzeit am Wasserfall.

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Gegen Nachmittag erreichten wir die nächste Unterkunft. Wohnten wir den Abend zuvor noch im Dorf, waren wir jetzt wirklich mitten im Dschungel. Leider bemerkten wir das auch an den sanitären Anlagen. Statt einer Toilette gab es nur noch ein Loch im Boden. Die Spülung war ein Wassertopf mit Kelle (gut, das sieht man öfter). Leider wussten scheinbar einige aus unserer Gruppe nicht, wie man die Kelle benutzt. Je später der Abend wurde, umso ekliger wurde das Loch.

Auch die „Dusche“ war ein Witz. Sie bestand aus einem Hahn, der ungefähr einen Meter über dem Boden aus der Bambuswand kam. Dazu gabs einen riesigen Auffangbehälter und eine Schüssel. Irgendwie schafften wir es am Ende, wieder zu dritt geduscht aus dieser Hütte zu kommen. Wir waren uns aber einig: ein richtiges Bad ist sooo viel besser!

 

3. Tag: Ende gut, alles gut.

Es war eine Herausforderung, ehrlich gesagt. Vielleicht sind wir drei auch ein bisschen zu viel Girlie als das wir uns im Dschungel so komplett wohl fühlen würden – ohne Strom, Badezimmer und und und. Aber wir haben es gewagt und es hat irgendwie trotzdem Spaß gemacht.

Das beste an allem war der letzte Trekking-Tag. Nach einer weiteren Wanderung ging es zu einem Elefanten-Camp und wir durften auf einem Elefanten reiten. Wir hatten erst Sorge, dass sie die Tiere – wie so oft kritisiert – quälen würden. Doch die Tiere wurden nur auf Zuruf oder mit den Händen geführt; es gab keine spitzen Gegenstände oder ähnliches. Unser Elefant war leider etwas zickig und bockig. Aber am Ende schafften auch wir es.

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Und dann gab es noch Wildwasser Rafting und Bamboo Rafting. Danach waren wir nass, aber glücklich und konnten unser Pad Thai am Fluss genießen.

Unser Trekking-Erlebnis war anstrengend, aber ein voller Erfolg. Einige Erkenntnisse, blaue Flecke und Insektenstiche (Moskitos? Flöhe? Bettwanzen?) später fuhren wir zurück nach Hause und waren froh, in unser Guesthouse in Chiang Mai zurückkehren zu dürfen. Wir gönnten uns erstmal eine Dusche und einen ausgiebigen Schlaf auf unserem bequemen Bett.

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