72 Stunden in Kapstadt

September 5, 2018

»Sawubona« – Willkommen in Südafrika! Zwei Wochen bin ich zusammen mit meinem Vater quer durch dieses wunderbare Land gereist und habe ein buntes Potpourri an Eindrücken mitgenommen. Die meisten erkunden Südafrika mit dem Mietwagen. Wir haben uns jedoch für einen Roadtrip der etwas anderen Art entschieden. Da meine Fahrkünste sehr rudimentär angelegt sind und mein Vater wie bei unserer Andalusien-Rundreise letztes Jahr nicht als einziger Fahrer dastehen wollte, entschieden wir uns für eine komplett durchgeplante Busrundreise mit Berge & Meer. Für mich als passionierte Reiseplanerin und Kontrollfreak mal was ganz Neues und Ungewohntes.

Das erste Ziel unserer Rundreise war Kapstadt, die zweitgrößte Stadt Südafrikas und Hauptstadt der Provinz Westkap. Eine pulsierende Metropole, in der afrikanische Vibes auf einen westlichen Lebensstil treffen.

 

1. Tag – Ease in und genieße die Aussicht


Anreise und Unterkunft

Viele Airlines fliegen nach Südafrika. Jedoch fliegen nur Lufthansa und South African Airlines nonstop dorthin. Da wir die Reise dieses Mal als Paket über Berge & Meer gebucht hatten, war bereits ein Flug mit South African Airlines ab Frankfurt über Johannesburg inkludiert. Der Flug war sehr angenehm, insbesondere da es ein Nachtflug war. Nachdem ich mich am Flughafen mit Bargeld vom ATM und einer lokalen SIM-Karte von Vodacom eingedeckt hatte, ging es auch schon weiter Richtung Bus.

Auf dem Weg zu unserem Hotel sahen wir Ausläufer der „Cape Flats“, den Townships von Kapstadt. Wenn man diese dicht an dicht aneinander gereihten Wellblechhütten sieht kann man nur vermuten wie schlimm dort die Lebensbedingungen sein müssen. Nur kurz danach fuhren wir über saubere Straßen vorbei an kleinen, schicken Häuschen zu unserem Hotel. Die Unterschiede könnten nicht größer sein.

Unser Hotel für die ersten 3 Nächte war das Garden Court Nelson Mandela Boulevard. Das Zimmer war sauber und groß. Vom Balkon hatte man einen herrlichen Ausblick auf den Hafen. Es bietet ein guten Standard und ist eine bodenständige Wahl. Bei einer Individualreise hätte ich mich allerdings auf eine der vielen hippen Air-BnB’s gestürzt.

Das Hotel liegt etwas außerhalb des Zentrums in dem angesagten Viertel Woodstock. Gerne hätte ich das Viertel noch etwas erkundet, da es vor allem für die hippe und kreative Szene bekannt ist. Jedoch blieb uns bei dem straffen Programm leider keine Zeit dafür. Ein Highlight des Viertels soll zum Beispiel der Neighbourgoods Market in der Old Biscuit Mill sein, auf dem sich Alt und Jung jeden Samstag von 9 bis 14 Uhr dicht an dicht an Gemüse vom Biobauern, frischem Brot, Gourmet Sandwiches, exotischem Schicken, Frucht Shakes und Kaffeespezialitäten vorbeischlängeln.

 

Hoch hinaus – mit der Seilbahn auf den Tafelberg

Kapstadt wird von dem beeindruckenden Tafelberg dominiert, der für seine steilen Felshänge und den flachen Gipfel bekannt ist. Diesen kann man mit der Seilbahn erreichen. Oben angekommen bietet sich ein Panoramablick über die Stadt und den geschäftigen Hafen. Wir hatten Glück, denn genau an unserem einzigen unverplanten freien Nachmittag fuhr die Seilbahn bei schönsten Wetterbedingungen. Kein Wind, keine Wolke am Himmel. Oft genug kann es sein, dass die Gondel ihren Betrieb aufgrund der Wetterbedingungen einstellt. Im Winter auch mal für einige Tage am Stück.

Während der Fahrt dreht sich die Gondel einmal um 360 Grad. Von oben hat man eine herrliche Aussicht auf Kapstadt und das Meer. Im Licht der untergehenden Sonne konnten wir einen Spaziergang machen und das Gelände erkunden. Ein herrlicher Start in den Urlaub.

Informationen zu den Preisen und Öffnungszeiten findet ihr unter https://www.tablemountain.net/

 

Abendessen in der Waterfront V & A

Später am Abend fuhren wir dann noch zur V & A Waterfront, einem restaurierten Werft- und Hafenviertel rund um die beiden historischen Becken des Hafens von Kapstadt. Die beiden Becken wurden 1870 und 1905 in Betrieb genommen und erhielten ihre Namen zu Ehren der britischen Königin Victoria und ihres zweiten Sohnes, Prince Alfred.

Die Waterfront V & A ist DER Besucher-Magnet in Kapstadt schlechthin, dementsprechend geschäftig und touristisch geht es hier zu. Über 250 Geschäft findet man hier. Zudem sehr viel Restaurants, Cafés und Freizeitmöglichkeiten. Wir aßen im Balducci. Das italienische Restaurant bietet in einem stylischen und eleganten Ambiente nicht nur eine gute Menüauswahl, sondern auch eine besonders vielfältige Auswahl an Weinen. Sehr empfehlenswert!

 

2. Tag – Erkunde Kapstadt und die Winelands von Stellenbosch


Aussicht vom Signal Hill

Am zweiten Tag ging es früh los, um Kapstadt zu erkunden. Unser erster Stopp war der Signal Hill, ein markanter Berg mit flachem Gipfel neben dem Tafelberg und dem kegelförmigen Lion’s Head. Auch wenn er mit 350 Meter Höhe der kleinste von den Dreien ist hat man eine wunderbare Aussicht auf die Stadt, die V&A Waterfront und Robben Island. Außerdem ist er bequem mit dem Auto erreichbar. Alternativ kann man ihn vom Stadtteil Sea Point aus zu Fuß erkunden. Sehr schön soll es hier am Abend mit einem Gläschen Wein sein – Signal Hill gehört zu DEN Sundowner Spots der Stadt.

Den Namen „Signal Hill“ verdankt der Berg der früheren Zeit, als von diesem Ort aus Zeit- und Warnsignale per Kanonenschüsse abgefeuert wurden. Noch heute sind auf dem Signal Hill Kanonen stationiert, die dieser Tradition gedenken. Es handelt sich dabei um die High Noon Gun, welche täglich um 12 Uhr einen Kanonenschuss abgibt.

 

Das bunte Malaien-Viertel Bo-Kaap

Vom Signal Hill aus fuhren wir zum bunten Malay-Viertel, genannt Bo-Kaap. Dieses liegt östlich am Fuße des Signal Hill. Es ist vor allem für seine farbenfroh gestrichenen Häuser bekannt und darf in keinem Kapstadt-Fotoalbum fehlen.

Die bunten historischen Häuschen entlang der engen, steilen Gassen sind jedoch nicht nur schön anzusehen, sondern haben für viele Einwohner auch eine symbolische Bedeutung: Erst in den 1830er haben sich hier die ehemaligen Sklaven der Niederländisch-Ostindischen Handelskompanie nach Abschaffung des Sklavenhandels niedergelassen und durften fortan ihre Häuschen nach Belieben in bunten Farben anmalen, um auf diese Art ihre Freiheit zu demonstrieren. Ihre Nachfahren sind auch unter dem Namen Kap-Malaien bzw. Kap-Muslime bekannt.

 

Der Company’s Garden

Weiter geht es in die grüne Oase von Kapstadt, dem Company’s Garden. Die schattigen, grünen Gärten wurde einst von der Niederländisch-Ostindischen Handelskompanie als Gemüsegarten angelegt. Heute lädt der Ort mit seinen verschlungenen Spazierwegen und großen schattenspendenden Bäumen zum Schlendern und Verweilen ein.

Der Park gliedert sich in verschiedene Abschnitte. Das Highlight ist der Public Garden mit einer Sammlung botanischer Arten.

 

Weinprobe in Stellenbosch

Nachdem wir am Vormittag schon viel gesehen hatten, ging es anschließend für uns weiter nach in die weltbekannten Winelands von Stellenbosch. Zunächst hatten wir etwas Zeit, um durch das kleine Städtchen Stellenbosch zu schlendern und eine Kleinigkeit zu essen. Stellenbosch, benannt nach Simon van der Stel, wurde 1679 gegründet und ist damit die zweitälteste Stadt Südafrikas.  Von allen Siedlungen, die am Kap während der Zeit der Holländisch-Ostindischen Handelskompanie gegründet wurden, ist die Innenstadt von Stellenbosch am besten erhalten geblieben. So kann man in diesem idyllisch gelegenen Städtchen hervorragende Zeugnisse kapholländischer, aber auch georgianischer und viktorianischer Architektur sehen.

Nach dem kleinen Bummel und einer leckeren Mahlzeit im Java Café ging es für uns weiter durch zahlreiche Weinbaugebiete entlang wunderschöner Gebirgszüge bis nach Delheim, wo wir uns durch köstliche Weine probieren durften.

Das Weingut liegt wunderbar im Grünen. Wir hatten unsere Weinverkostung im urigen Weinkeller. Die Weine wurden toll erklärt, zur Verkostung wurden Snacks serviert. Anschließend konnten wir noch das Gelände erkunden. Da die Traubenlese bereits lange vorüber war, standen die Reben natürlich nicht in Blüte.

In Stellenbosch hätte ich gerne mehr Zeit gehabt. Wenn ich das nächste Mal Kapstadt besuche, werde ich hier ein oder zwei Übernachtungen einplanen. Ein Nachmittag ist leider viel zu wenig Zeit, um diese Gegend zu erkunden. Ein ähnlich schönes Städtchen soll Franschhoek sein. Ich sehe schon … ich muss unbedingt wieder nach Südafrika kommen! 🙂

 

3. Tag – Ausflug auf die Kap-Halbinsel


Camps Bay und Hout Bay

Am dritten Tag ging es wieder früh los, um die Kap-Halbinsel zu erkunden. Unser erster Stopp war ein kleiner Fotostopp in Camps Bay. Der wohlhabene Ort liegt direkt unterhalb der der majestätischen 12 Apostel. Restaurants und Shops reihen sich an er Palmen gesäumten Uferpromenade aneinander und laden auf einen Cappucchino ein. Die große Strandbucht von Campy Bay ist von den stadtnahen die größte, was den kleinen Ort nur umso beliebter macht.

Die Fahrt ging anschließend weiter über immer enger werdenden Straßen bis wir den kleinen Fischerei- und Touristenort Hout Bay erreichten, der malerisch in der gleichnamigen Bucht liegt. Früher wurde sie aufgrund des reichen Holzbestandes als  Houtbaaitjen (= Holz-Bucht) bezeichnet.

Vom Hafen aus sind früher die kleinen Fischerboote ausgelaufen. Heute sind es vor allem die Touristenboote, die täglich mehrmalig Ausflüge zur vorgelagerten Duiker Island anbieten. Die kleine Insel liegt wenige hundert Meter vor dem Festland und beherbergt eine der größten südafrikanischen Pelzrobben-Kolonien, welch hier in ihre natürlichen Umgebung leben.


Etwa 20 Minuten brauchten wir mit dem Boot bis zur Duiker Island. Das laute, dumpfe Gebrüll der Robben war schon von weitem zu hören – sehr imposant.

Es gibt verschiedene Tourenanbieter. Die Tickets können bequem am Hafen für die nächste Tour gekauft werden.

 

Kap der guten Hoffnung

Über die sehenswerte Panoramastraße „Chapmans Peak“ ging es nach der Bootsfahrt weiter zur Kapspitze. Diese 150 Meter über dem Meer und 450 Meter unter dem Gipfel liegende, 10 km lange Strecke gehört sicherlich zu den schönsten Küstenstraßen der Welt. Zahlreiche Haltebuchten bieten sich an für Foto- und Genießerstopps.

Schließlich ging es zum Kap der Guten Hoffnung, vorbei an atemberaubenden Landschaften, die zum Table Mountain National Park gehören. Auf dieser Fläche befinden sich mehr Pflanzensorten als in ganz Großbritannien.

Das Kap der guten Hoffnung und Cape Point werden sehr oft verwechselt. Das Kap der guten Hoffnung bezeichnet ein sehr markantes Kap, welches früher als Wendepunkt für die Seefahrer auf ihrer Reise nach Indien galt. Denn aufgrund seiner steilen und schroffen Klippen war das Kap früher bei den Seefahrern sehr gefürchtet. Der portugiesische Seefahrer Bartolomeo Diaz nannte die über 20 Kilometer ins Meer vorragende Felsenzunge »Cabo das Tormentas« (Kap der Stürme), weil hier meist ein starker und gefährlich Wind herrscht. Tausende von Schiffwracks liegen auf dem Meeresboden.

Tatsächlich war es dann bei unserem Besuch beinahe windstill. Laut unserem Reiseführer einer der seltenen zwei bis drei Tage im Jahr.

Lange galt das Kap der Guten Hoffnung als südlichster Punkt Afrikas und Grenze zwischen Atlantischem und Indischen Ozean. Tatsächlich trifft beides auf das 140 km südöstlich gelegene Cape Agulhas zu. Das Kap der guten Hoffnung zeichnet den südwestlichsten Punkt Afrikas aus.

Etwa 2 Kilometer östlich vom Kap der guten Hoffnung liegt Cape Point und bildet das östliche Ende der Kap-Halbinsel. Den Leuchtturm kann man über Treppen zu Fuß oder mit einer kleinen Standseilbahn erreichen. Dieser wurde auf dem höchsten Punkt des Kliffs in 238 Meter über dem Meer im 19. Jahrhundert errichtet. Oben angekommen hat man eine herrliche Aussicht auf die steilen Klippen und die raue See.



Für alle mit mehr Zeit: Empfehlenswert soll eine kleine Wanderung sein, die vom Cape Point durch die wunderschöne Natur bis zum Kap der Guten Hoffnung führt und immer wieder tolle Ausblicke auf die Bucht des Diaz Beach frei gibt.
 

Die Brillenpinguine von Simon’s Town

Entlang der False Bay auf der östlichen Hälfte der Halbinsel geht es zurück. Der Name „False Bay“ stammt von Seefahrern, die in die Bucht steuerten, weil sie die Bucht fälschlicherweise für die westlich gelegene Tafelbucht hielten. Im Gegensatz zur Tafelbucht, die meist stürmig ist, herrscht hier ein mediterranes mildes Klima mit warmen, trockenen Sommern  und das Wasser ist rund 6 °C wärmer.

In dem historischen Örtchen Simonstown an der False Bay konnten wir anschließend in dem Restaurant Neptune’s Galley mit Blick auf den Hafen eine kleine Stärkung einnehmen. Natürlich gab es Fischfilet, Tintenfisch und Muscheln. Der Ort ist zwar Marine Stützpunkt, hat aber das Flair eines kleinen Seebades.

Nach dem Mittagessen machten wir uns weiter auf den Weg zum Boulders Beach, einer windgeschützten Bucht gleich hinter dem historischen Städtchen Simon’s Town. Mehr als 2.000 Brillenpinguine watscheln hier jeden Tage in ihrem typischen Pinguingang den drei Kilometer langen weißen Sandstrand hin und her. Andere verstecken sich in den sandigen Buchten, schwimmen im Meer oder faulenzen in der Sonne.






 

Abendspaziergang in Kristenbosch

Nach einem langen Tag auf der Kap-Halbinsel ging es dann wieder zurück zum Hotel. Auf dem Weg lag jedoch noch ein letzter Stopp: Kirstenbosch Botanical Gardens, einer der schönsten Gärten der Welt. In  dem fast 53.000 m² großen botanischen Garten befinden sich nur einheimische Pflanzen und Bäume Der Garten ist groß und bietet viel Platz für einen ausgedehnten Spaziergang.

Mein persönliches Highlight hier war der Baumkronenpfad, der eine spektakuläre Aussicht über den botanischen Garten liefert. Der „Centenary Tree Canopy Walkway“wurde zur Feier das hundertjährige Bestehen des Gartens erbaut. Eine Brücke aus Stahl und Holz, die sich wie eine Schlange hoch über den Bäumen durch den Wald windet.


Drei wundervolle Tage in Kapstadt fanden bei einem herrlichen Sonneuntergang ihren Abschluss. Kapstadt ist wirklich eine interessante Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten und einem ganz eigenen Charme. Wer viel Zeit mitbringt sollte hier und in den umliegenen Winelands eine ganze Woche verbringen.

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